Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste!
Mit dem Rosenmontag ist der Höhepunkt der Karnevalszeit erreicht. Die Session endet dann am Aschermittwoch. Sicherlich, die Zeit des Feierns hat erst mal Pause, zumindest sollte das für uns Christen gelten. Denn mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit.
Was ist damit eigentlich gemeint: Fastenzeit? Oder: „Vom Sinn der leeren Schüsseln“ Fasten – nicht zu verwechseln mit Diät oder Schlankhungern – versteht sich als religiös begründete, freiwillige, reduzierte Nahrungsaufnahme in Bußzeiten. Diese Bußzeiten sind für uns Katholiken eigentlich jeder Freitag und eben die österliche Fastenzeit.
Ob es Fleisch ist, auf das man verzichtet, Kaffee, Nikotin, Süßigkeiten oder Alkohol, ein Disco- oder Kneipenbesuch, Autofahren oder viel-leicht auch weite Reisen – das Fasten scheint in den letzten Jahren wieder modern zu werden. Und das nicht unbedingt nur für (streng) gläubige Menschen. Laut einer Forsa-Umfrage von vor einigen Jahren für den „Stern,“ wollten damals schon ca. 11,5 Mio. Menschen pro Jahr während der Fastenzeit auf bestimmte Nahrungs- und Genussmittel verzichten. Der bewusste Verzicht kann sowohl Körper als auch Geist wirklich guttun. Das Fasten wird bei vielen Christen durch Beten und besinnliche Zeiten der Ruhe erweitert. Wenn man seine Alltagsgewohnheiten überdenkt und bewusst neu ordnet, schafft man Platz für Veränderungen und Perspektivwechsel. Es bleibt Zeit für „Gott und die Welt“ und das eigene Ego wird relativiert. Vielleicht entdeckt man dadurch eine ganz neue Lebensqualität. Manchmal ist weniger eben einfach mehr.
Liebe Schwestern und Brüder, lassen Sie sich auch in diesem Jahr wie-der auf die Fastenzeit ein und erspüren Sie für sich, wie gut es Ihnen tun kann.
Ihnen allen eine gute Zeit und Gottes Segen.
Diakon Stephan Fielers
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Pfarrbrief archiv
Pfarrbrief, 4. Fastensonntag 2020
Geistlicher Impuls zum Evangelium des 4. Fastensonntags (Joh 9, 1-41) von Pastor Dr. Rüdiger With Liebe Gemeinde! Gott zu schauen, das ist unseren menschlichen Augen nicht möglich. Und doch sind wir für Gott nicht blind. Wenn ein Wort der Heiligen Schrift uns anrührt, wenn wir in der Begegnung mit anderen Menschen beschenkt werden, wenn wir über die Natur staunen und in ihr Gottes Schöpfung erahnen und erfahren, dann können wir etwas erspüren...
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
die Geschichte der Emmausjünger hat für mich und für mein Leben eine zentrale Bedeutung. „Auf dem Weg sein“, so kann man wohl die Situa-tion von uns Menschen umschreiben. Nichts ist fest, alles ist letztend-lich Veränderungen unterworfen.
Der Glaube an Gott, so habe ich es erfahren, ist keine Konstante, son-dern lebendiger Dialog. So wie ein Weg durch unterschiedliche Land-schaft führt, so verändert sich mein Weg mit Gott. Zeiten, wo ich Gott als Quelle meines Lebens erfahre, wechseln mit Zeiten der Wüste. Die Emmausgeschichte berichtet von Zweifel, Mutlosigkeit und Fragen, aber auch von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Ich fühle mich gut aufgehoben in der Weggeschichte der Emmausjünger.
Die Jünger haben Schwierigkeiten, an die Auferstehung Jesu zu glau-ben. Dabei haben sie Berichte aus erster Hand. Die Frauen, die in der Frühe des Ostermorgens am Grab waren und dort von den Engeln die Auferstehungsbotschaft hörten, haben ihre Erlebnisse den Jüngern er-zählt, und einige von ihnen überzeugten sich selbst am Grab von der Wahrheit dieser Berichte.
Wäre all das nicht Grund genug zu glauben, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist? Für die beiden Emmausjünger reicht es nicht aus. Was sie hören, bewirkt genau das Gegenteil: Sie können es nicht glau-ben, sie verlieren alle Hoffnung, für sie ist alles aus. Einzig der Tod Jesu ist für sie eine unumstößliche Tatsache. So kehren sie Jerusalem den Rücken zu, so, als ob sie von Jesus und ihren eigenen Freunden nichts mehr zu erwarten hätten.
An diesem Punkt merkt man, dass die Auferstehungsperikope nicht die exakte Wiedergabe einer einmaligen Begebenheit ist, die sich vor rund zweitausend Jahren irgendwo zwischen Jerusalem und Emmaus abge-spielt hat. Dieses Evangelium spricht von allen, die ihre Erfahrungen mit Glaubenskrisen und Glaubenszweifeln haben. Es spricht von Situ-ationen, in denen man sich vom Glauben abwandte, obwohl andere ganz überzeugt daran festhielten, von Erlebnissen, durch die alle
Hoffnungen zerplatzten, so dass vom eigenen Glauben nur noch Fra-gen und Zweifel übrigblieben.
Aber das Evangelium bleibt nicht dabei stehen. Die Begegnung der Em-mausjünger mit Christus steht für die Erfahrung, dass der Glaube wie-der wächst und sich sogar noch vertieft, dass nach einer Zeit des Fra-gens, der Trauer und der Dunkelheit auch wieder Licht am Horizont auftaucht. Dabei zeigt sich etwas, was wohl alle bestätigen können, die solche Erfahrungen gemacht haben: Wenn der Glaube wiederkommt, dann geht das nur durch persönliche Erfahrungen. Keine Erzählung an-derer und keine noch so guten Überzeugungsversuche können das er-reichen. Glaube braucht den Weg der persönlichen Erfahrung und Be-stätigung. Auch die Emmausjünger kommen nicht durch das Zeugnis anderer, sondern erst durch ihre persönliche Begegnung mit Jesus zum Glauben. Erst die Gewissheit, dass er bei ihnen ist, macht sie stark und lässt sie nach Jerusalem zurücklaufen, obwohl es mitten in der Nacht ist.
Ich wünsche Ihnen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter un-serer Gemeinde Christ König, dass die Auferstehung Christi für Sie nicht nur eine Feier, sondern eine Erfahrung ihres Lebens ist.
Georg Pützer