Wir sind bereit…
Dievierte Kerze ist entzündet (18.12 Heller wird’s am Adventskranz nicht
mehr. Der Zenith der Dunkelheit ist erreicht ( Die Tage werden langsam
wieder länger, die Nächte werden kürzer. Der Heilige Abend ist gekommen
(24.12.). Wir sind bereit.
Wie kann man bereit sein für Weihnachten? Das Fest selbst spricht ja von einer
unendlichen Bedürftigkeit. Maria und Josef brauchen ein wenig Gastfreund-
schaft, das Kind einen sicheren Ort für seine Geburt, die Hirten auf dem Feld
ein wenig mehr Licht in ihr em Leben, der König ein bisschen mehr Bescheidenheit,
die Welt einen Retter und Erlöser.
„Bereitzu sein“ bedeutet an Weihnachten, bedürftig zu sein. Angesichts der
Kriegsbilder nicht leicht, denn uns geht es ja so gut. Doch jenseits dieser Bilder
ist sie da: die Sehnsucht nach Geborgenheit, die Hoffnung auf eine bewegende
Begegnung, die Erwartung einer Genesung innen wie außen, der Wunsch nach
Geld zum Bezahlen kommender Rechnungen, das Warten darauf, dass die Welt
mal wieder ein bisschen abkühlt im rea len und im übertragenen Sinne. Weil
diese Bedürftigkeit da ist, sind wir bereit für das Fest.
Dann kommt es doch anders als gedacht: es ist nicht der Palast, in dem der Retter
das Licht der Welt erblickt, die Hirten kehren zu ihren Herden zurück, der Köni g
rastet völlig aus und befiehlt den Kindermord. Die Welt wartet heute noch auf
ihre Erlösung.
Aber etwas ist doch anders geworden: der Stall ist in Zukunft in aller Munde,
den Hirten ist es warm ums Herz, der König (… da weiß ich auch nicht weiter)
u nd in der Welt ist Erlösung möglich! Wir wissen, was zu tun ist. Das Kind verän-
dert die Welt. Nicht pompös und glamourös. Unsere Bedürftigkeit ist sein Weg
zu unseren Herzen. Da kann es sich bewegen, Licht entzünden, wärmen. Schenken
wir einander dieses Li cht, erfüllen sich Sehnsüchte, Hoffnungen, Erwartungen und
Wünsche. Bestimmt anders als gedacht. Aber „anders als gedacht“ ist nicht au-
tomatisch „ Denn eins macht das kleine Kind von Bethlehem immer und
immer wieder: Es führt bedürftige Herzen zusammen und das ist eigentlich Weih-
nachten. Wie gesagt: wir sind bereit…
Allen Leserinnen und Lesern im Namen des gesamten Teams ein gesegnetes und
herzliches Weihnachtsfest. Kommen Sie gut ins neue Jahr und freuen Sie sich
schon auf den Besuch und den Segen der Sternsinger…
Andreas Robben
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Pfarrbrief vom 18. Dezember 2022 bis 08. Januar 2023
Pfarrbrief archiv
Pfarrbrief, 4. Fastensonntag 2020
Geistlicher Impuls zum Evangelium des 4. Fastensonntags (Joh 9, 1-41) von Pastor Dr. Rüdiger With Liebe Gemeinde! Gott zu schauen, das ist unseren menschlichen Augen nicht möglich. Und doch sind wir für Gott nicht blind. Wenn ein Wort der Heiligen Schrift uns anrührt, wenn wir in der Begegnung mit anderen Menschen beschenkt werden, wenn wir über die Natur staunen und in ihr Gottes Schöpfung erahnen und erfahren, dann können wir etwas erspüren...
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
die Geschichte der Emmausjünger hat für mich und für mein Leben eine zentrale Bedeutung. „Auf dem Weg sein“, so kann man wohl die Situa-tion von uns Menschen umschreiben. Nichts ist fest, alles ist letztend-lich Veränderungen unterworfen.
Der Glaube an Gott, so habe ich es erfahren, ist keine Konstante, son-dern lebendiger Dialog. So wie ein Weg durch unterschiedliche Land-schaft führt, so verändert sich mein Weg mit Gott. Zeiten, wo ich Gott als Quelle meines Lebens erfahre, wechseln mit Zeiten der Wüste. Die Emmausgeschichte berichtet von Zweifel, Mutlosigkeit und Fragen, aber auch von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Ich fühle mich gut aufgehoben in der Weggeschichte der Emmausjünger.
Die Jünger haben Schwierigkeiten, an die Auferstehung Jesu zu glau-ben. Dabei haben sie Berichte aus erster Hand. Die Frauen, die in der Frühe des Ostermorgens am Grab waren und dort von den Engeln die Auferstehungsbotschaft hörten, haben ihre Erlebnisse den Jüngern er-zählt, und einige von ihnen überzeugten sich selbst am Grab von der Wahrheit dieser Berichte.
Wäre all das nicht Grund genug zu glauben, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist? Für die beiden Emmausjünger reicht es nicht aus. Was sie hören, bewirkt genau das Gegenteil: Sie können es nicht glau-ben, sie verlieren alle Hoffnung, für sie ist alles aus. Einzig der Tod Jesu ist für sie eine unumstößliche Tatsache. So kehren sie Jerusalem den Rücken zu, so, als ob sie von Jesus und ihren eigenen Freunden nichts mehr zu erwarten hätten.
An diesem Punkt merkt man, dass die Auferstehungsperikope nicht die exakte Wiedergabe einer einmaligen Begebenheit ist, die sich vor rund zweitausend Jahren irgendwo zwischen Jerusalem und Emmaus abge-spielt hat. Dieses Evangelium spricht von allen, die ihre Erfahrungen mit Glaubenskrisen und Glaubenszweifeln haben. Es spricht von Situ-ationen, in denen man sich vom Glauben abwandte, obwohl andere ganz überzeugt daran festhielten, von Erlebnissen, durch die alle
Hoffnungen zerplatzten, so dass vom eigenen Glauben nur noch Fra-gen und Zweifel übrigblieben.
Aber das Evangelium bleibt nicht dabei stehen. Die Begegnung der Em-mausjünger mit Christus steht für die Erfahrung, dass der Glaube wie-der wächst und sich sogar noch vertieft, dass nach einer Zeit des Fra-gens, der Trauer und der Dunkelheit auch wieder Licht am Horizont auftaucht. Dabei zeigt sich etwas, was wohl alle bestätigen können, die solche Erfahrungen gemacht haben: Wenn der Glaube wiederkommt, dann geht das nur durch persönliche Erfahrungen. Keine Erzählung an-derer und keine noch so guten Überzeugungsversuche können das er-reichen. Glaube braucht den Weg der persönlichen Erfahrung und Be-stätigung. Auch die Emmausjünger kommen nicht durch das Zeugnis anderer, sondern erst durch ihre persönliche Begegnung mit Jesus zum Glauben. Erst die Gewissheit, dass er bei ihnen ist, macht sie stark und lässt sie nach Jerusalem zurücklaufen, obwohl es mitten in der Nacht ist.
Ich wünsche Ihnen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter un-serer Gemeinde Christ König, dass die Auferstehung Christi für Sie nicht nur eine Feier, sondern eine Erfahrung ihres Lebens ist.
Georg Pützer