Liebe Gemeinde,
die erste Lesung aus dem Exodus (Ex 3, 1-15), welche wir am 3. Fastensonntag in der Liturgie hören, ist für mich ein lieb gewordener Text. Seit meinen Studientagen begleitet mich die Erzählung vom brennenden Dornbusch. Es wird ein Got-tesbild geoffenbart, das mich sehr anspricht.
Der höfliche Gott
Gott hat mit Moses zu reden. Bevor er sein Anliegen äußert, stellt er sich Mose vor. „Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs (Es 3, 6a):“
Gott offenbart sich als ein Gott der Geschichte, ein Gott der Vätergeschichte des Volkes Israels, ein Gott des Bundes. Gott existiert nicht für sich selbst, sondern er lebt in der Geschichte des Menschen, ohne allerdings nie in ihr vollkommen aufzugehen.
Der interessierte Gott
„Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid“ (Ex 3,7).
Der unbegreifliche und unfassbare Gott, ist aber auch ein sehender und hörender Gott. Es wird uns vom Interesse Gottes an seinem Volk berichtet, der das Unrecht und das Leid der Menschheit wahrnimmt.
Der handelnde Gott
Das sprach Gott zu Mose. „Ich-will sein, der Ich -sein-will“. (Ex 3,14)
Schaut man in den hebräischen Urtext dann wird deutlich, es geht nicht um die Beschreibung, wie Gott ist, sondern es wird gesagt, dass er handelt. Das hebräische Wort hajah bedeutet nicht einfach sein, sondern: werden, geschehen, sich ereignen, da –sein; es ist ein dynamisches Wort. Es geht um eine Beziehung mit Gott. Das Volk Israel ist trotz aller Zweifel mit Gott in Beziehung geblieben. Und so machen es viele Menschen bis zum heutigen Tag und erfahren dabei, dass sie dem Namen Gottes – JHWH – trauen können – gerade in Situationen, die gottfern scheinen.
Die Erzählung von der Sendung des Moses im Buch Exodus ist das Ergebnis einer langen Geschichte von Erfahrungen. Das Volk Israel hat Gott als einen Wegbegleiter erfahren, der Zukunft und Hoffnung schenkt. Allerdings war diese Geschichte nicht aus einem Guss und nicht ohne Brüche. Immer wieder hat das Volk Israel mit seinem Gott gerungen, hat gezweifelt und gehadert.
Unser Leben ist bruchstückhaft; eine letzte Sehnsucht bleibt, die nie ganz erfüllt werden kann. Ich muss in meinem Leben Menschen loslassen und Träume aufgeben. Ich muss in meinem Leben erkennen, dass ich Fehler mache. Ich muss lernen dazu zu stehen, dass ich ein sterblicher Mensch bin und muss am Ende mein leibliches Leben loslassen.
Wir suchen nach einer Erfüllung, die über das hinausgeht, was wir uns selbst geben können und was wir einander geben können. Der Glaube antwortet auf diese Sehnsucht mit dem Versprechen, das Gott dem Mose mit seinem Namen gegeben hat – JHWH – Ich-will-sein, der Ich-sein-will.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit
Georg Pützer
Download als PDF-Dokument
Pfarrbrief archiv
Pfarrbrief vom 17. Mai bis 07. Juni 2026
Liebe Gemeinde, „denn als Glaubende gehen wir unseren Weg, nicht als Schauende.(2 Korinther 5,7) Nicht immer sehen wir schon den ganzen Weg vor uns. Nicht auf jede Frage gibt es sofort eine Antwort – und vielleicht gehört genau das auch zum Glauben dazu: darauf zu vertrauen, dass Gott uns begleitet, auch wenn noch nicht alles klar ist. Nach drei Jahren endet für mich nun die Assistenzzeit hier in der Gemeinde, und zum 1. August werde ich...
Pfarrbrief vom 26. April bis 17. Mai 2026
Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste! So langsam spüren wir alle, dass der Frühling näher rückt, wenn es auch in diesem Jahr zäh anläuft. Die Magnolien, Narzissen, Tulpen und vieles mehr blühen. Die Bäume bekleiden sich und werden grün und wir Menschen können uns immer öfter an Sonnentagen erfreuen. Gottes wunderbare Schöpfung kommt, wie jedes Jahr, wieder in Bewegung und zeigt sich von ihrer schönsten Seite. In dem Lied: „Geh aus mein Herz…“,...
Pfarrbrief vom 05. bis 26. April 2026
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen, die Geschichte der Emmausjünger hat für mich und für mein Leben eine zentrale Bedeutung. „Auf dem Weg sein“, so kann man wohl die Situa-tion von uns Menschen umschreiben. Nichts ist fest, alles ist letztend-lich Veränderungen unterworfen.Der Glaube an Gott, so habe ich es erfahren, ist keine Konstante, son-dern lebendiger Dialog. So wie ein Weg durch unterschiedliche Land-schaft führt, so verändert sich...
Pfarrbrief vom 15. März bis 05. April 2026
„Liebe Schwestern und Brüder, die Misereor-Fastenaktion 2026 steht unter dem Leitwort „Hier fängt Zukunft an!“. Es geht um die berufliche Ausbildung junger Menschen in den Entwicklungsländern. Sie sollen das Rüstzeug erhalten, um Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden und somit den eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Berufliche Bildung hilft, der vielerorts ver-breiteten Jugendarbeitslosigkeit zu entkommen. Aber sie ist weit mehr: Bildung...
Pfarrbrief vom 22. Februar bis 15. März 2026
Liebe Gemeinde,die Fastenzeit steht plötzlich im Kalender wie ein Termin, den ich nicht verschieben kann.Weniger Spaß? Weniger Snacks? Weniger „Ach, komm, einmal geht noch?“ Ich soll verzichten, sagen sie, sag ich, sagt Gott?Gut.Aber auf was eigentlich? Ich scroll durch meinen Kopf wie durch mein Handy: Schokolade. Chips. Weniger Streaming. Klingt alles machbar – für ein paar Wochen.Aber danach? Alles wieder wie vorher?Bringt doch nichts.Wenn...
Pfarrbrief vom 01. bis 22. Februar 2026
Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste! „Ihr seid das Salz der Erde“ - „Ihr seid das Licht der Welt“ Diese beiden Verse bilden am 5. Sonntag im Jahreskreis den Kern des Evangeliums. Auf diese einfache Weise versucht Jesus den Jüngern deutlich zu machen, wie sie unter den Menschen wirken und ihnen den Weg zeigen sollen. Dieses Jesuswort wird in den ersten Christengenerationen von besonderer Bedeutung gewesen sein. Denn das Zusammenleben in...
Pfarrbrief vom 11. Januar bis 01. Februar 2026
Liebe Gemeinde, liebe Gäste! In diesen Tagen ziehen die Sternsinger durch unsere Gemeinde und bringen den Segen der Weihnacht in die Häuser nach Emden und Hinte, ebenso in die Krummhörn. * Segen der Weihnacht! Das bedeutet mehr als der Gruß „Frohe Weihnachten!“, welcher am 2. Feiertag schon mal mit „...gehabt zu haben,“ beantwortet wird. Dieser Segen kommt von der Krippe her. Er kündet von der Geburt Jesu. Unser Gott ist Mensch geworden....
Pfarrbrief vom 21. Dezember 2025 bis 11. Januar 2026
Liebe Leserinnen und Leser, „Kumm, loss mer fiere, nit lamentiere“, so hören wir in einem Lied der Kölner Gruppe Die Höhner. Im Weihnachtsoratorium von Johann Sabastian Bach klingt es feierlicher: „lasset das Zagen, verbannet die Klage“. Diese Worte klingen wie ein freundlicher, aber bestimmter Ruf mitten hinein in unsere Zeit. Weihnachten lädt uns ein, die Blickrichtung zu ändern: Weg von dem, was uns beschwert, hin zu dem, was trägt. Nicht,...
Pfarrbrief vom 23. November bis 21. Dezember 2025
Liebe Gemeinde, liebe Gäste! An diesem Sonntag endet mit unserem Patronatsfest das Kirchenjahr und mit dem 1. Advent steht das neue schon vor der Tür – Ende und Beginn. Dass in dieser Jahreszeit vieles zu Ende geht, sehen wir in diesen herbstlichen Tagen in der Natur. Bäume lassen ihre Blätter los, die Zwiebeln der Narzissen und Schneeglöckchen warten auf die wärmenden Sonnenstrahlen des Frühlings, Stauden ziehen sich in Ihre Wurzeln zurück....
Pfarrbrief vom 02. bis 23. November 2025
Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste!Der Monat November, der vor uns liegt, ist geprägt von Gedenktagen. An diesem Wochenende wird der Heiligen und der Verstorbenen der Kirchengemeinde gedacht. Mit dem folgenden Volkstrauertag wird an die vielen Opfer der Kriege erinnert. Somit ist dieser Monat für viele Menschen von Weinen geprägt und bedrückt oftmals. Aber dieser Monat birgt auch Lachen und Strahlen in sich, wenn man sich von der Natur, von...
Pfarrbrief vom 12. Oktober bis 02. November 2025
Liebe Leserinnen und Leser,seit Anfang des Jahres befindet sich unser Bistum Osnabrück im sogenannten Transformations- und Konsolidierungsprozess. Rapide sinkende Zahlen von hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern und fehlende finanzielle Mittel machen diesen Prozess nötig. Es geht um die Frage, wie wir vor Ort unsere Zukunft als Gemeinde gestalten können.Ende September haben wir in Leer in einer Auftaktveranstaltung den Dekanatsprozess...
Pfarrbrief vom 21. September bis 12. Oktober 2025
Liebe Gemeindemitglieder, liebe Gäste! „Da kann ja jeder kommen – Caritas öffnet Türen“ Caritas öffnet Türen – das ist mehr als nur ein Motto. Es ist eine Haltung. Türen öffnen bedeutet, Platz zu machen für Menschen mit ihren Sorgen, Hoffnungen und Geschichten. Türen öffnen heißt: Jede und jeder ist willkommen – ohne Unterschied, ohne Vorbehalt. Da kann wirklich jeder kommen – und soll es auch. Am Caritassonntag feiern wir diese Offenheit....
Pfarrbrief vom 24. August bis 21. September 2025
Liebe Gemeinde, im Lukasevangelium (Lk 13,30) steht ein kurzer, aber eindrucksvoller Satz: „Die Letzten werden die Ersten sein.“ Eine Redewendung, die fast jeder kennt. Aber ergibt das wirklich Sinn? Wer als Letzter kommt, ist doch faktisch der Letzte – oder? Und doch lesen wir diesen Satz im Evangelium. Wir gebrauchen ihn sogar selbst manchmal, vielleicht mit einem Augenzwinkern.Unser Alltag erzählt oft eine andere Geschichte: Erster sein ist...
Pfarrbrief vom 10. bis 24. August 2025
Liebe Gemeinde, liebe Gäste!Dieser Pfarrbrief bietet Informationen zu den kommenden zwei Wochen.Bei uns gehen die Ferien dem Ende zu, jedoch verbringen Menschen aus anderen Bundesländern weiterhin ihren Urlaub in unserer Region. Wir heißen Urlauber und Gäste zu unseren Gottesdiensten herzlich willkommen!Schon ist am Horizont der (Schul-) Alltag sichtbar, deshalb finden sich auf den nächsten Seiten Termine für die Erstkommunionvorbereitung....
Pfarrbrief vom 20. Juli bis 10. August 2025
Am 22. Juli feiert die Kirche das Fest der Hl. Maria Magdalena. Sie ist eine der großen Frauengestalten des Neuen Testamentes. Sie wird uns in den Evangelien als eine Frau mit einer bewegten Lebensgeschichte beschrieben. Der Evangelist Lukas erzählt von ihr als eine „Frau mit schlechtem Ruf“. In Lk 7,36 wird uns von einem Mahl berichtet, in der die Sünderin überraschend eintrat, Jesus die Füße mit ihren Tränen reinigte, sie mit ihrem Haarschopf...
Liebe Mitchristinnen und Mitchristen,
die Geschichte der Emmausjünger hat für mich und für mein Leben eine zentrale Bedeutung. „Auf dem Weg sein“, so kann man wohl die Situa-tion von uns Menschen umschreiben. Nichts ist fest, alles ist letztend-lich Veränderungen unterworfen.
Der Glaube an Gott, so habe ich es erfahren, ist keine Konstante, son-dern lebendiger Dialog. So wie ein Weg durch unterschiedliche Land-schaft führt, so verändert sich mein Weg mit Gott. Zeiten, wo ich Gott als Quelle meines Lebens erfahre, wechseln mit Zeiten der Wüste. Die Emmausgeschichte berichtet von Zweifel, Mutlosigkeit und Fragen, aber auch von der Begegnung mit dem Auferstandenen. Ich fühle mich gut aufgehoben in der Weggeschichte der Emmausjünger.
Die Jünger haben Schwierigkeiten, an die Auferstehung Jesu zu glau-ben. Dabei haben sie Berichte aus erster Hand. Die Frauen, die in der Frühe des Ostermorgens am Grab waren und dort von den Engeln die Auferstehungsbotschaft hörten, haben ihre Erlebnisse den Jüngern er-zählt, und einige von ihnen überzeugten sich selbst am Grab von der Wahrheit dieser Berichte.
Wäre all das nicht Grund genug zu glauben, dass Jesus tatsächlich auferstanden ist? Für die beiden Emmausjünger reicht es nicht aus. Was sie hören, bewirkt genau das Gegenteil: Sie können es nicht glau-ben, sie verlieren alle Hoffnung, für sie ist alles aus. Einzig der Tod Jesu ist für sie eine unumstößliche Tatsache. So kehren sie Jerusalem den Rücken zu, so, als ob sie von Jesus und ihren eigenen Freunden nichts mehr zu erwarten hätten.
An diesem Punkt merkt man, dass die Auferstehungsperikope nicht die exakte Wiedergabe einer einmaligen Begebenheit ist, die sich vor rund zweitausend Jahren irgendwo zwischen Jerusalem und Emmaus abge-spielt hat. Dieses Evangelium spricht von allen, die ihre Erfahrungen mit Glaubenskrisen und Glaubenszweifeln haben. Es spricht von Situ-ationen, in denen man sich vom Glauben abwandte, obwohl andere ganz überzeugt daran festhielten, von Erlebnissen, durch die alle
Hoffnungen zerplatzten, so dass vom eigenen Glauben nur noch Fra-gen und Zweifel übrigblieben.
Aber das Evangelium bleibt nicht dabei stehen. Die Begegnung der Em-mausjünger mit Christus steht für die Erfahrung, dass der Glaube wie-der wächst und sich sogar noch vertieft, dass nach einer Zeit des Fra-gens, der Trauer und der Dunkelheit auch wieder Licht am Horizont auftaucht. Dabei zeigt sich etwas, was wohl alle bestätigen können, die solche Erfahrungen gemacht haben: Wenn der Glaube wiederkommt, dann geht das nur durch persönliche Erfahrungen. Keine Erzählung an-derer und keine noch so guten Überzeugungsversuche können das er-reichen. Glaube braucht den Weg der persönlichen Erfahrung und Be-stätigung. Auch die Emmausjünger kommen nicht durch das Zeugnis anderer, sondern erst durch ihre persönliche Begegnung mit Jesus zum Glauben. Erst die Gewissheit, dass er bei ihnen ist, macht sie stark und lässt sie nach Jerusalem zurücklaufen, obwohl es mitten in der Nacht ist.
Ich wünsche Ihnen im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter un-serer Gemeinde Christ König, dass die Auferstehung Christi für Sie nicht nur eine Feier, sondern eine Erfahrung ihres Lebens ist.
Georg Pützer